Fachschaft Informatik

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität


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Träge, wie in Zeitlupe

Der Fachschaft Informatik fehlt der Nachwuchs


Die Sonne scheint an diesem Mittwoch am Ende des Sommersemesters 1998. Auf der dritten Etage der Römerstraße 164 ist es warm, wie immer riecht es nach pausenlos laufenden Computern. Ein leichter Geruch von Pfeifenrauch, kaum wahrnehmbar, verleiht der Atmosphäre einen exquisiten Hauch.

Träge, wie in Zeitlupe, tanzen die Staubteilchen durch die Luft vor der Tür des Raumes N302, um auf einmal in wilden Mustern durcheinanderzuwirbeln. Ein Student ist vor die Tür getreten. Er trägt abgetragene Jeans, ein weißes T-Shirt mit dem Aufdruck eines Prozessorherstellers und bequeme Turnschuhe.

Sein Blick schweift über die Tür. Auf einem über die ganze Breite der Tür gespannten hellgrünen Banner ist "Fachschaft Informatik" zu lesen. Links neben der Tür hängt auf dem alten, grauen Beton ein Plakat, das zu einer "Informatik Sommerparty 1998" einlädt.

Dreißig Zentimeter weiter, in der Fachschaft direkt neben der Tür, stehen hunderte von Prüfungsprotokollen in Ordnern, denen man die häufige Benutzung ansieht, Ordner neben Ordner, Regalbrett über Regalbrett. Die Protokolle, teils mit der Hand geschrieben, teils penibel geTeXt, riechen förmlich nach dem Angstschweiß der Informatikerinnen und Informatiker während der Prüfungen.

Eben dieser Schweiß ist es, den die Schweißdrüsen des Studenten vor der Tür schon einmal auf Vorrat bilden und in den Poren zwischenlagern. Drei Tage wird diese Zwischenlagerung noch dauern, drei Tage Lernen auf Lücke anhand von Prüfungsprotokollen. Der Student greift nach der Klinke und drückt sie herunter.

Die Tür läßt sich nicht öffnen. Der Student fühlt Panik in sich aufsteigen, seine Poren machen sich bereit, das Eingelagerte wieder herzugeben - warum ist die Fachschaft nicht besetzt? Sein Blick fällt auf einen Zettel an der Tür: "AnWesenheitsDienst - Mittwoch: Zur Zeit noch nicht besetzt". Was nun? Die Prüfung ist so nicht mehr zu schaffen. Eine Unverschämtheit, am Mittwoch nicht geöffnet zu haben!

Moment - wer ist das überhaupt, die Fachschaft? Warum haben die nicht fünf Tage die Woche geöffnet?

Die Fachschaft, das sind Studierende, die freiwillig einen Teil ihrer Zeit dafür verwenden, sich für die Studierenden einzusetzen, Servicearbeit zu leisten, zu informieren und noch einiges andere mehr zu tun. Doch es ist viel zu tun, der Tag hat nur 24 Stunden, und die Fachschaft hat zu wenig Aktive, um alle Aufgaben erledigen zu können. Die Folge: Der Service muß dort leiden, wo eine Einschränkung noch am ehesten vertretbar erscheint.

In naher Zukunft droht die Situation noch ernster zu werden: Einige Fachschaftler werden demnächst mit ihrer Diplomarbeit beginnen und daher kaum noch Zeit für die Fachschaftsarbeit aufwenden können. Daher braucht die Fachschaft dringend Nachwuchs!

Die Fachschaftssitzung findet im Semester jeden Donnerstag um 18 Uhr c.t. in Raum N302 statt, während der Semesterferien ist sie jeden ersten Donnerstag im Monat. Wer mag, kann auch nur so zum Zuhören vorbeischauen (und dabei vielleicht eine Tasse Tee trinken), und sich generell willkommen fühlen.

Keinen Durchblick? Keine Angst, der kommt mit der Zeit. Ansonsten solltest Du Dich nicht scheuen, Fragen zu stellen, wenn etwas unklar ist.

Wir zählen auf Dich - es liegt auch in Deiner Hand, ob in Zukunft noch vernünftige Fachschaftsarbeit in der Informatik in Bonn möglich sein wird.

ok