In der gestrigen Sitzung des Planungsausschusses der Stadt Bonn, sowie des Ausschusses für Internationales und Wissenschaft, mussten sich die Verantwortlichen der Universität Bonn, sowie des Bau- und Liegenschaftsbetriebes NRW vielen kritischen Fragen stellen. Vor der Sitzung hatte die Fachschaft Informatik mit einem offenen Brief die zögerlichen Entwicklungen für die zukünftige Unterbringung der Informatik kritisiert.
Details zu den künftigen Bauvorhaben konnten auch in dieser Sitzung den Vertretern des BLB und der Universität oft nur durch Nachfrage entlockt werden. Bürgermeisterin Kappel erwähnte den wachsenden "Leidensdruck des Fachbereich Informatik" und kritisierte die Verzögerungen in der Planung des Neubaus.
"Wie kann es sein, dass so lange nichts passiert?", fragte ein weiteres Ausschussmitglied und nahm dabei direkten Bezug auf die Vorwürfe der Fachschaft Informatik. Universität und BLB verwiesen in dieser Sache auf komplexe Planungsvorgänge und Finanzierungsprobleme.
Der Neubau der Informatik solle nach aktuellem Stand im Jahr 2014 bezugsfertig sein. Auf die Frage, ob sich die Bauzeit nicht beschleunigen ließe, entgegnete Wolfgang Eifler vom BLB: "Wir brauchen einen relativ langen Vorlauf bei der Erschließung des Geländes". Die Infrastruktur müsse unter Planung zukünftiger Bedürfnisse entworfen werden. Eine schnellere Bauzeit sei für ein solches Projekt unrealistisch.
Auf die Frage nach einem konkreten Bauablaufplan konnten die Vertreter des BLB keine Antwort geben. Man habe die einzelnen Aufträge noch nicht ausgeschrieben und müsste erst Angebote am Markt einholen.
Auch die Ausweichunterbringung der Informatik im Landesbehördenhaus wurde kritisch hinterfragt, man wünsche sich dazu mehr Informationen. Laut Eifler werde die Informatik nicht in dem "als Betonklotz bekannten" vorderen Gebäudeteil untergebracht, sondern in einem angrenzenden Verwaltungsgebäude aus den 80er Jahren.
Zukünftige Bausünden möchte die Stadt verhindern: "Das letzte Gebäude, das sie errichtet haben, wirkt wie ein viergeschossiges Beerdigungsinstitut", kritisierte ein Mitglied des Planungsausschusses. Die Vertreter des BLB präsentierten Skizzen und Computeranimationen der zukünftigen Gebäude und wiesen auf die "hochwertige Architektur" hin. Schließlich gehe es um eine "städtebaulich bedeutende Maßnahme".
Im ersten Bauabschnitt sollen unter anderem ein Neubau für das Institut für Informatik und das B-IT mit einer Nutzfläche von 15.000 qm, sowie ein separates Hörsaalgebäude errichtet werden. Auch für die Institute INS und IEL sind neue Gebäude eingeplant. Zusätzlich sollen verschiedene Straßen und Zufahrtswege den neuen Bedürfnissen angepasst werden. Kritik gab es vom Planungsausschuss: Das zusätzliche Verkehrsaufkommen werde nicht genügend beachtet. Die Universität plant derzeit, durch verschiedene Konzepte den PKW-Verkehr langfristig zu reduzieren. Derzeit liege der Anteil derer, die mit dem Auto kommen, bei ungefähr 27 Prozent. Mit den verschiedenen Maßnahmen möchte man diesen Anteil auf unter 20 Prozent reduzieren. Irritierend ist dabei, dass für die Studenten nicht ein einziges Auto eingeplant ist.
Alexander Markowetz, Mitglied im Ausschuss für Internationales und Wissenschaft, schlug vor, an einem runden Tisch regelmäßig den Dialog aller Beteiligten herzustellen, um zukünftige Verzögerungen zu vermeiden. Es dürfe keine Verzögerungen geben, die durch die Stadt Bonn verschuldet wären, bemerkte Bürgermeisterin Kappel abschließend. Stadtbaurat Werner Wingenfeld sagte zu, dass sein Dezernat den Betroffenen alle weiteren Fragen gerne beantworten wird.
Die Fachschaft Informatik freut sich über die Reaktionen der Ausschüsse und hofft, dass mit der Unterstützung der Stadt Bonn nun einer unverzüglichen Umsetzung der Baumaßnahmen nichts mehr im Wege steht.




